Ornithologen ist die Gartenspottdrossel wegen ihrer Fähigkeit Laute anderer Tiere nachzuahmen als Mimus polyglottos bekannt. In den Weinbergen der Familie Rodrigues unterhält sie mit ihrem Gesang die Brüder João und Armindo bei der Arbeit und für Sie singt der Vogel sein Lied auch auf dem Etikett ihres Weißen aus der Síria‐Traube. Vielleicht hören Sie es ja, wenn Sie sich ein Glas davon einschenken. Auf jeden Fall empfängt er Sie mit dem intensiven Duft von Wildblüten, Pfirsichen und Melonen und präsentiert sich am Gaumen dank seiner ausgeprägten Zitrusnoten mit einer angenehmen Frische.
In der Nase wie am Gaumen erweist sich die Scheurebe alles andere als schüchtern. Deshalb schätzt sie Regine Minges als regionale Alternative zum Sauvignon Blanc. Aromen von Pampelmuse, Stachelbeere, Limette und Pimpernelle vereinen sich bei ihrer 24er Scheurebe Gleisweiler trocken zu einer verspielten Leichtigkeit im Bukett und einem ausdrucksstarken Auftritt am Gaumen, zu dem sich hier noch eine spürbare Mineralik gesellt. Sein erhebliches Lagerpotenzial kann der Weiße aus der Pfalz allerdings nur selten ausspielen, da er schon als junger Wein viel zu viel Trinkvergnügen bietet.
Scheurebe, Rivaner und Cabernet Blanc müssten in einer Cuvée vereint eigentlich einen idealen Weißwein für die warme Jahreszeit ergeben, das war Jochen Schmitt von Anfang an klar. Aber bevor der studierte Önologe die drei Rebsorten ins richtige Verhältnis zueinander gebracht hatte, musste er sie in einer langen Verkostungsreihe doch immer wieder neu kombinieren, bis das Ergebnis seiner Vorstellung von einem spritzigen Weißwein mit duftigem Bukett und knackiger Frucht entsprach. Sie können seine Cuvée „Drei Reben“ jetzt gleich probieren und müssen nur noch auf das passende Wetter warten.
Schmitt Drei Reben Blanc 2024, Pfalz € 9,50 (Liter 12,67)
Ganze 250 Hektar Weinberge, die mit der Rebsorte Carignan Blanc bestockt sind, gibt es noch – weltweit. Deshalb sollten Sie sich nicht grämen, wenn Sie noch nie davon gehört haben. Aber neugierig sollten sie schon sein, wenn sie mal einen ins Glas bekommen können. In seiner Linie „Rare“ stellt Olivier Coste fast vergessene Rebsorten vor, die aus dem Blickfeld der Weinwelt verschwunden sind. Sein Carignan Blanc von einem 70 Jahre alten Weinberg bietet mit seinen expressiven floralen Aromen und seiner ausgeprägten Mineralität und Länge ein Weinerlebnis abseits des Mainstreams.
Wenn es an warmen Tagen abends prickeln soll, aber nicht zu sehr, kommt der Vin Pétillant „Sending Love“ wie gerufen. Mit seinen erfrischenden Aromen von Limetten und Litschis und einem Hauch weißen Pfeffers ist er die französische Alternative zum Prosecco Frizzante. Aus 100 Prozent Colombard‐Trauben gewonnen und mit feinen Perlen versehen bietet er am Gaumen reichlich Saft und ein lebhaftes Finale. Bei nur 9,5 Prozent Alkohol müssen Sie allerdings Ihrem Gegenüber den Kopf schon selbst verdrehen.